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Die Geschichte des Dorfes


Joseph von Eichendorf meinte:

"Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,-
Dem will er seine Wunder weisen
Ins Fels und Wald und Strom und Feld."

Und vielleicht auch Kotschanowitz?

-eine idyllische Ortschaft, umgeben von Wäldern, nah am Fluss Stober gelegen. Doch hinter der bescheidenen Beschreibung verbirgt sich ein kleiner Geschichts- und Kulturschatz. Heute ist es schwierig festzustellen wann das Dorf entstand. Erwähnt wird es zum ersten Mal in den Akten aus dem XIII Jahrhundert, die im Zusammenhang mit der Niederlassung der Lazarettbruderschaft in Schlesien stehen. Später wurde diese Organisation in den Kreuzritterorden mit dem roten Stern umgewandelt. Aus den Unterlagen vom 2. November 1252 kann man entnehmen, dass große Grundstücke in der Nähe von Kreuzburg und Breslau im Besitz des Ordens waren. Durch ihre Hilfsbereitschaft und Einsatz für Kranke und Arme gewannen die Kreuzritter Anerkennung des Adels und der Fürsten, die sich als großzügige Spender zu erkennen gaben, wie z.B. Fürstin Anna, Ehefrau von Heinrich II, die sogar eine Stiftung hatte. Zu den Schenkungen gehörte auch Kotschanowitz. "Urbanium des Dorfes Kotschanowitz" ist das älteste Dokument, das nur von dieser Ortschaft, genauer: von den Steuern, die die Bewohner an die Kommandantur Nowy Dwór zahlen sollten, handelt. Daraus ergibt sich auch, dass damals die Bauern, zwei Müller und ein Schmied auf 76 Bauernhöfen wohnten. 1376 wurde ein Pfarrkirchenregister veröffentlicht, in dem auch die Kirche in Kotschanowitz, eine von 18, die unter dem Schutz des Ordens standen, genannt wird. Im XV Jahrhundert ereigneten sich die Hussitenkriege. Auf den Kotschanowitzer Feldern zwischen Kotschanowitz und Kuhnau fand die endscheidende Schlacht statt. Der Fürst von Brieg und seine Verbündete besiegten die Hussiten, die vorher Kreuzburg erobert hatten. An diese Ereignisse erinnert das Kreuz, dass an der Straße, die nach Kreuzburg führt, steht. Leider wurde während der Kriege die Kirche stark beschädigt und schließlich verbrannt. Die Kirche, die man heute bewundern kann, wurde im Jahre 1662 gebaut, dieses Datum ist auf dem Balken in der Sakristei deutlich zu erkennen. Konsekriet hat man sie am 10. Oktober 1666. Sie ist aus Holz gebaut, eine Kammkonstruktion, nur wenn es um den Turm geht, hat man es mit einer Pfahlkonstruktion zu tun. Am schönsten sieht die Kirche von der nördlichen Seite aus, wo der Turm wunderbar mit dem kleinen Türmchen, das sich auf dem Dach über dem Hauptschiff befindet, harmoniert. Geht man hinein, bekommt man die Gelegenheit die Turmkonstruktion zu sehen. An der linken Seite befindet sich ein Kreuz mit einem charakteristischem Dächlein - Werk eines Volksbildhauers. Daneben ist die so genannte Karbona Duchowa aus dem XIX Jahrhundert stammte. Der Besucher zog eine Nummer, die für eine Intention stand. An der Tafel sah er nach, wofür er beten soll und tat es danach. Versuchen kann man es auch heute noch. Das Presbyterium ist dreiseitig geschlossen. Das Bild der Kotschanowitzer Mutter Gottes aus dem XVIII Jahrhundert, dass den Altar verschönert hat, wurde in die neue Kirche gebracht und in der alten durch die vermutlich von den Pilgern gespendete und von dem Geistlichen Edward Kucharz erneuerte Kopie des Bildes der Tschenstochauer Mutter Gottes ersetzt. Über diesem Bild hängt eine Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit. Der Altar selbst stammte aus dem Jahre 1726, wenn man genau hinschaut, bemerkt man dort eine Konsekrationsurkunde. An den Seiten stehen zwei Engel, die früher Teil der Orgel aus dem XIX Jahrhundert waren. Das Instrument befindet sich jetzt im Museum der Diözese in Oppeln. Der Nebenaltar wird von einem Barockbild und Schnitzereien geschmückt. Auf dem Baldachin der Kanzel befindet sich eine Christi Figur. Das Taufbecken in Form eines Hornes, der von einem Engel gehalten wird, sowie der Beichtstuhl stammten aus dem XVIII Jahrhundert. Die Stationen des Kreuzweges sind 100 Jahre jünger und wurden auf Leinen gemalt. Die Bänke in der Kirche sind, im Gegensatz zur vielen anderen Dorfkirchen, nicht ausgetauscht worden. Die Glocke, die man noch heute zu manchen Anlässen klingen lässt, wurde nach 1750 von Jan Nerger aus Rosenberg abgegossen.

Unter dem Schutz des Ordens stand auch die Mühle im Wald in der Nähe von Stober, denn sie war sein Eigentum. Das zweistöckige, gemauerte und mit Dachsteinen bedeckte Bauwerk stand auf Steinmahlgängen. Am 30. April 1783 wechselte sich der Besitzer, der neue hieß Daniel Kobitz. Die Mühle wird aber noch heute Dudas Mühle genannt. Anfang des XX Jahrhunderts kaufte sie nämlich Andrzej Duda. In dieser Familie blieb sie lange Zeit und wurde an die nächsten Generationen vererbt. Die Mühle wurde durch ein Wasserrad angetrieben und zwar bis 1934, dann baute man eine Wasserturbine "Francize" ein. Das Wasser wurde mit dem Untermühlgraben in die Stober abgeleitet.

Natürlich dachte man in Kotschanowitz auch an die Bildung der Kinder und Jugendlichen. 1795 fing der Bau der Schule an. Das Dorf wurde um ein relativ großes Gebäude mit einem Strohdach reicher. Möglicherweise war die Schule eine Pfarrschule, denn Kotschanowitz war seit dem XV Jahrhundert (mit Ausnahme der Zeit zwischen 1864 und 1905) eine selbstständige Gemeinde. Das könnte erklären, wieso sich an dem Gebäude ein Kreuz befand. Als erster unterrichtete im Dorf der einzige Gerichtsschreiber in den Ordensgütern- Herr Müller. 1810 begann seine 25-jährige Lehrerkarriere. Da Müllers Engagement in die Angelegenheiten des Ordens sehr viel Zeit in Anspruch nahm, fiel der Unterricht für die jungen Kotschanowitzer öfters aus. Der damalige Schulinspektor sah sich verpflichtet dem ein Ende zu setzen und fordete Müller auf sein Lehramt aufzugeben. Kurz danach betrat der nächste Lehrer- Ignacy Opatz- die Schule. Wegen zahlreicher Konflikte mit den Dorfbewohnern, die sein Lehrniveau zu niedrig fanden, blieb er nicht lange in Kotschanowitz. Auch das Verhältnis zwischen Opatzs Nachfolger- Mettschieg und der Dorfgessellschaft ließ viel zu wünschen übrig. Der neue Mann hinter dem Schreibtisch in der Klasse beschwerte sich über die schlechten Bedingungen, die sowohl in der Schule als auch in seinem Wohnzimmer herrschten. Es störte ihn u.a. der Mangel an Räumen und Holzschuppen auf dem Schulgebiet. Dabei war das Klassenzimmer geräumig, hell und sehr gut situiert. 77 Schüler beteilgten sich regelmäßig am Unterricht. Der Krieg von 1813 erschwerte es gute Leistungen zu erzielen, doch laut eines am 27. Juni 1818 geschriebenen Visitationsprotokolls verbesserte sich das Wissensniveau der Kinder und zwar deutlich. Die Schüler waren in 3 Klassen aufgeteilt und dann noch in kleinere Gruppen in denen sie Buchstabieren, Lesen, Rechnen, sowie Erdkunde und deutsche Vokabeln lernten. Was interessant ist- es gab zwei Arten von Schreibunterricht: Schreiben- allgemein gesehen und Buchstabenschreiben.

Die Kinder mussten nichts an die Schule zahlen, allerdings standen ihnen auch keine Kursbücher zur Verfügung. Der Lehrer bekam seinen Lohn nicht von Anfang an in bar ausgezahlt. Manchmal wurde das Geld durch Naturgüter ersetzt. Der Kotschanowitzer Lehrer war der erste, dem die Regierung eine regelmäßige Zahlung, für die teilweise auch die Bauern aufkommen mussten, zusprach.

Im Laufe der Zeit verbesserten sich die Bedingungen in der Schule (1904 wurde das zweite Gebäude gebaut), in der auch während der Kriege in der ersten Hälfte des XX Jahrhunderts Unterricht stattfand. 1945 entschied man, dass Kotschanowitz zur dem Bezirk Rosenberg gehören wird. Auch in diesem Jahr entstanden die Gemeindenationalraten. Das Rat und die Gemeinde Klein Lassowitz hatten ihren Sitz in Kotschanowitz. Ein Jahr später wurden die Raten aufgelöst. Den Gemeindesitz verlegte man erst am 31. Mai 1947 nach Klein Lassowitz.

Nach einer ein paar Monate dauernden Pause begann am 4. Juni 1945 für 325 Kinder wieder das Lernen. Die Leitung der Schule übernahm das Ehepaar Boles3aw und Halina Pazura. Die Zeiten waren aber nicht gerade leicht. Sprachprobleme tauchten auf und das Niveau der Schüler musste ausgeglichen werden, wozu man spezielle Kurse organisiert hat. Eine Zeit lang schrieben die Jugendlichen nach jedem Schuljahr ein Examen, dessen Ergebnis über die Versetzung in die nächste Klasse entschied. Doch es gab auch technische Probleme, die man überwinden musste. In den Fenstern fehlten Scheiben, ein Teil der Ausstattung wurde zerstört. In der älteren Schule befanden sich drei Klassen und ein Lehrerzimmer. In der neuen standen den Schülern ebenfalls drei Räume zur Verfügung. Allerdings gab es keinen Korridor, der die beiden Gebäude verbinden würde. Die Kinder mussten durch den Hof, was vor allem an den kühleren und regnerischen Tagen kein Vergnügen war, in die Klassen laufen. Die Klassenräume wurden mit Hilfe von Kachelöfen beheitzt. Das Feuer legte man meistens gegen 3 oder 4 Uhr morgens. In der Schule hatte man Wohnungen für drei Lehrerfamilien vorgesehen, die anderen suchten Unterkunft bei den Dorfbewohnern und fanden sie auch. Am 31. August 1949 trat Herr Pazura als Schulleiter ab. Den Posten bekam Józef Manik. In den Klassenräumen führte man viele Renovierungen durch. Um Geld zu sammeln, veranstaltete man Tanzabende und Volksfeste. Um allen Kindern gute Lernbedingungen bieten zu können, teilte man sie in zwei Gruppen auf, so dass die Hälfte der Schüler morgens und der Rest abends Unterricht hatte. In der Schule war also von 8 bis 19 Uhr ständig was los. Die kleinen Künstler unter den Jugendlichen hatten die Gelegenheit sich in der Tanz- oder auch Musikgruppe zu verwirklichen. Außerdem gab es noch eine Bastel- und eine Modellbau-AG. Auf dem Dachboden gelang es eine Bibliothek und ein Jugendraum zu arrangieren.

Die Kriegszeit war für die Kotschanowitzer, wie für alle, sehr schwer. Viele sind gefallen. An die Opfer sollen die beiden neben der Kirche stehenden Denkmäler, wo die Namen dieser Menschen geschrieben sind, erinnern. Das Leben ging aber weiter. 1955 gründete man die Ortsraten, um so die Verwaltung zu verbessern, doch wegen der zu großen Machtzersplitterung, lößte man den Kotschanowitzrat 1962 wieder auf und das Dorf wurde Teil des Kleinlassowitzrates.

Auch in den fünfziger Jahren, beschloss man eine neue Kirche zu bauen. Somit setzte man endlich in die Realität den Beschluss um, den man schon vor dem zweiten Weltkrieg gefasst hat, nur leider ist es damals aus verschiedenen Gründen nicht gelungen ihn zu verwirklichen. 1957 fing der Bau an und dauerte zwei Jahre. Die Gemeinde bestand zur dieser Zeit aus 1400 Gläubigen. Der Pfarrer hieß Karol Bartela. Die meiste Arbeit machten die Kotschanowitzer selbst. Allein die Vorbereitung des Platzes für die Fundamente erfordete viel Kraft, denn unter der dünnen Tonschicht liegt eine dicke Lehmschicht. Bei dem Bau halfen auch Frauen, denn jede Familie wurde vom Baukomitee verpflichtet eine bestimmte Zahl von Arbeitstagen abzuleisten. Wenn der Familienvater im Krieg gefallen ist oder nicht da war, weil er z.B. 6 Tage in der Woche irgendwo in Oberschlesien arbeitete, musste die Frau bei den Bauarbeiten mit anpacken. Jeder Bauer sah sich außerdem verpflichtet beim Transport zu helfen und eine Spende aufzubringen, deren Größe nach der Hektarzahl gerichtet war. Die Arbeiter unter den Gläubigen verzichteten jährlich auf einen Monatslohn zu Gunsten der Kirche. Die Mühe lohnte sich- noch heute werden der Glaube und der Fleiß dieser Leute, an die die Pracht der Kirche erinnert, bewundert.

Das Innen der "alten" Kirche wurde bei der Modernisierung nach dem Krieg nicht verändert, nur die Wände wurden neu gestrichen. Man hatte vor diese Kirche in ein anderes Dorf- Poboroszów in der Nähe von Kozle zu verlegen. Dazu kam es aber nicht, weil die dortige Gemeinde eine Genehmigung für den Bau einer Kirche bekam. Unser Gotteshaus blieb also in Kotschanowitz und wurde auf Grund der vielen Gläubigen, die es jedes Jahr zur Kirchweihe besuchen, eins der Mariensanktuarien.

Die Zahl der Bewohner von Kotschanowitz sank zwar im Laufe der Jahre, aber in der Schule fehlte es weiterhin an Platz. 1972 führte man die Gemeinschaftsschulen ein. 1974 entstand die Gemeinschaftsschule Groß Lassowitz. Die anderen Schulen in der Gemeinde wurden zu ihren Filialen, in denen nur bestimmte Klassen unterrichtet wurden, meistens von der ersten bis zur dritten oder von der vierten bis zur achten Klasse. Nur in Kotschanowitz und Kirchwalde blieben alle acht Klassen vor Ort. Die Idee der Gemeinschaftsschulen wurde 1985 entgültig aufgegeben. Im selben Jahr gründete man das Schulhilfskomitee, das aus Eltern und Lehrern bestand. Die Lehrerwohnungen in der Schule wurden in zwei Klassenräume und ein Lehrerzimmer adaptiert. Doch größere Renovierarbeiten wurden nicht durchgeführt, was fatale Folgen für die Schulgebäude hatte. Erst 1996 beschloss man sie zu modernisieren und teilweise auch auszubauen. Für den ältesten Teil der Schule kam jedoch jede Hilfe zu spät und es musste abgerissen werden. Die Kotschanowitzer gründeten das Schulausbaukomitee, spendeten Geld und versuchten zu helfen, wo sie nur konnten. Den Bau teilte man in drei Etappen auf. Die erste umfasste den Bau des südlichen Flügels, die zweite die Renovierung des roten Gebäudes und die dritte den Bau der Turnhalle. Das Vornehmen unterstützten viele Institutionen, u.a. der Gemeinderat Groß Lassowitz, das Oppelner Schulkuratorium, der Woiwodschaftsumweltschutzfonds und nicht zuletzt die Deutsche Minderheit, dank deren Kontakte mit der Minderheit in Südtirol, die sich als großzügiger Helfer erwies, geknüpft worden waren. Ohne Hilfe von Außen wäre der Bau sicherlich nicht so schnell, wenn überhaupt, zu Ende gegangen. Doch nicht nur unsere Schule hat sich verändert. Im September 1999 entstanden in Polen die Gymnasien. In die Kotschanowitzer Schule, wo seit Jahren Kotschanowitzer und Kinder aus Schorke unterrichtet werden, kamen Jugendliche aus Eschenwalde, Klein Lassowitz und Teichfelde. Sehr schnell integrierten sich alle. Schon am zweiten Weihnachtstag veranstaltete man den ersten Tanzabend, was für viele, vor allem die Eltern der Gymnasiasten zum alljährlichen und sehr beliebten Punkt der Feierlichkeiten wurde. Neben der Kindergarten- und Grundschulfeste gibt es schon seit vier Jahren die gymnasialen Veranstaltungen. Gut in Erinnerung haben die Leute den Ostermontag, den Maiausflug auf den Pfarrhof, wo Muttertag gefeiert wurde, und die Johannisnacht behalten. Immer bekommen die Besucher die Gelegenheit den Tag nett zu verbringen, sowie oft schon vergessene schlesische Bräuche kennen zu lernen. Im Zusammenhang mit dem Schulausbau stehen auch zahlreiche Besuche aus dem Ausland. Bei ihren Empfang gab sich wiedereinmal die gute und enge Zusammenarbeit, genauso wie bei dem alljährlichen Muttertag und anderen Festen, der Schule und der Deutschen Minderheit zu erkennen. Unser Orchester und die Gesangsgruppe "Quo Vadis", sowie die Schüler mit ihren Vorstellungen sorgen dafür, dass die Feierlichkeiten immer anders sind aber nie schlechter als das letzte Fest.

Vor kurzem sind 750 Jahre seit der ersten Erwähnung Kotschanowitzs in den Urkunden, vergangen. Alle haben gefeiert: die Bewohner, die Schule und die Kirche. Kotschanowitz ist 750 Jahre alt. Seine Geschichte geht aber weiter. Der Juni 2003 ist sicherlich eins ihrer schönsten Ereignissen. Wir hoffen, dass sie noch viel reicher an solche wunderbaren Momente wird.

Monika Drajok


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